Cannabissamen vorziehen: Unser Leitfaden

Die Vorzucht von Cannabis ist eine entscheidende Phase, die oft über Erfolg oder Misserfolg der gesamten Ernte entscheidet. In dieser frühen Anzuchtphase werden aus Samen zarte Keimlinge, die auf das spätere Wachstum vorbereitet werden. Warum also Cannabis-Samen nicht einfach direkt ins Freie säen? Eine kontrollierte Cannabis Vorzucht bietet klare Vorteile: Man schafft optimale Bedingungen für Keimung und Wachstum, schützt die jungen Pflanzen vor kaltem Wetter und Schädlingen und verschafft ihnen einen Wachstumsvorsprung. So sind die Pflanzen robuster, wenn sie schließlich nach draußen oder in das Grow-Zelt kommen. Diese Anleitung zeigt dir, worauf es bei der Vorzucht ankommt – egal ob du Indoor mit künstlichem Licht arbeitest oder die natürliche Outdoor-Methode bevorzugst.
Grundlagen der Vorzucht
Bevor wir ins Detail gehen, schauen wir uns die wichtigsten Grundlagen für eine erfolgreiche Cannabis Vorzucht an. Keimlinge haben bestimmte Ansprüche an ihre Umgebung, damit sie gesund wachsen:
- Temperatur: Für die Keimung und Sämlingsphase liegt die optimale Temperatur meist zwischen 20°C und 25°C. In diesem Bereich fühlen sich Cannabis-Keimlinge am wohlsten. Kälte unter ~15°C kann die Keimung verzögern oder stoppen, und dauerhaft über 30°C wird ihnen schnell zu heiß. Halte die Umgebung also angenehm warm, aber nicht überhitzt. Eine Heizmatte unter den Töpfen kann in kühlen Umgebungen helfen, die Temperatur konstant zu halten, ist aber bspw. auf der Fensterbank im Wohnzimmer normalerweise nicht nötig.
- Licht: In der Cannabis Vorzucht ist eine ausreichende Beleuchtung der Motor des Pflanzenwachstums. Gerade in der Vorzucht brauchen Cannabis-Sämlinge ausreichend Helligkeit, damit sie nicht „spargeln“ (dünn und lang werden auf der Suche nach Licht). Man kann dafür eine Vorzucht-Lampe mit breitem Lichtspektrum (z.B. eine weiße LED oder Leuchtstoffröhre) nutzen. Meistens reicht aber auch ein sonniger und heller Platz – zum Beispiel die Fensterbank – aus, wobei im zeitigen Frühjahr (früher als April) die natürliche Tageslichtdauer in Deutschland manchmal noch gering ist. Wichtig: Keimlinge vertragen anfangs noch keine pralle Mittagssonne über Stunden hinweg, stelle daher die kleinen Pflänzchen eher in Halbschatten bzw. indirektes Licht und gewöhne sie langsam an die Sonne.
- Luftfeuchtigkeit: In den ersten Tagen mögen Keimlinge eine hohe Luftfeuchtigkeit von etwa 60–80%. Das verhindert, dass sie zu schnell austrocknen. Viele verwenden eine transparente Haube oder ein Mini-Gewächshaus, um ein feuchtes Mikroklima zu schaffen. Allerdings muss auch Frischluft an die Pflänzchen: Bilde daher keine Dauer-Sauna. Öffne die Abdeckung regelmäßig zur Belüftung (oder nutze Lüftungsschlitze), damit kein Schimmel entsteht. Nach einigen Tagen kann die relative Feuchtigkeit schrittweise auf etwa 50–60% abgesenkt werden, damit sich die Pflanzen an normalere Bedingungen gewöhnen. Wenn die Feuchtigkeit zu gering ist, kannst du Vorzucht-Topf bspw. auch auf ein feuchtes Handtuch stellen.
- Erde und Anzuchtmedium: Verwende eine geeignete Cannabis Vorzucht Erde bzw. Anzuchterde. Diese ist locker, gut durchlüftet und nur schwach gedüngt – ideal für zarte Wurzeln. Zu „scharfe“ (stark gedüngte) Erde kann Keimlinge nämlich "verbrennen". Alternativ kann man auf Kokossubstrat oder Steinwolle zurückgreifen, was ebenfalls eine gute Belüftung der Wurzeln bietet. Wichtig ist in jedem Fall: Das Medium sollte feucht, aber nie triefend nass sein. Staunässe führt schnell zu Wurzelfäule oder Schimmel. Dabei gilt im Zweifelsfall "lieber zu trocken als zu nass".
- Luft und Umluft: Eine sanfte Brise stärkt die Stängel. Indoor erreicht man das mit einem kleinen Ventilator auf niedriger Stufe, der regelmäßig über die Sämlinge streicht. Outdoor übernimmt der natürliche Luftzug diese Aufgabe. Komplett windstill und feucht ist ungünstig, weil es die Gefahr von Pilzbefall (z.B. „Umfallkrankheit“ bei Sämlingen) erhöht. Also sorge für etwas Luftbewegung – aber vorsichtig: direkte, starke Zugluft mögen die Winzlinge auch nicht.
Zusätzlich zu diesen Grundlagen spielt natürlich Sauberkeit eine Rolle. Arbeite mit sauberen Händen und sauberen Töpfen/Tools, damit keine Keime oder Pilzsporen die jungen Pflanzen gefährden. Wenn du also gerade von einem Spaziergang durch die Wiesen nach Hause kommst, ist es ratsam die Kleidung zu wechseln. Wenn diese Basis-Bedingungen stimmen, hast du schon viel für einen erfolgreichen Start getan!
Methoden der Vorzucht
Grundsätzlich unterscheidet sich die Art der Vorzucht danach, ob man Indoor (also im Zelt unter künstlichen und kontrollierten Bedingungen) oder Outdoor (z.B. am Fenster oder im Frühbeet) anbaut. Beide Wege können zum Erfolg führen – wichtig ist, dass man ihre Besonderheiten kennt.
Indoor-Vorzucht
Die Indoor-Methode ist bei vielen Growern beliebt, weil sie eine maximale Kontrolle erlaubt. Man zieht die Keimlinge in einer künstlich geschaffenen Umgebung groß, beispielsweise in einer kleinen Growbox oder einfach irgendwo in der Wohnung unter einer Lampe. Hierfür benötigt man ein paar Utensilien als eine Art Cannabis Vorzucht Set:
- Lichtquelle: Ein Kunstlicht, idealerweise eine LED-Growlampe oder eine Leuchtstoffröhre mit Tageslichtspektrum (6500K), sorgt für gleichmäßiges Licht. Wichtig ist der richtige Abstand: LEDs etwa 30 cm entfernt, Leuchtstoffröhren können näher (5–15 cm), starke HID-Lampen eher weiter weg (>50 cm). So bekommen die Keimlinge genug Licht, ohne zu verbrennen. LED-Lampen sind heute besonders beliebt für die Cannabis Vorzucht, da sie sehr energieeffizient sind und kaum Wärme abgeben.
- Anzucht-Töpfe und Erde: Die ersten Töpfe, die man verwendet sind eher klein (bspw. 1l-Töpfe). Wenn man keine extra Töpfe dafür kaufen möchte, kann man auch sehr gut große 1l-Jogurtbecher nehmen. Diese einfach ausspülen und 3-4 Löcher in den Boden schneiden. Bei der Befüllung der Becher macht es Sinn, die unteren 1-2 cm des Topfes mit sog. Blähton (gibt es in jedem Baumarkt oder Gärtnerei) zu füllen und darauf dann die Anzuchterde geben. Der Blähton sorgt dafür, dass unten im Topf keine Staunässe entsteht, da überschüssiges Wasser ablaufen kann (Drainagelöcher!). Denkt daher daran, die Töpfe auf einen Teller oder Tablet zu stellen.
- Klima kontrollieren: Indoor kann man Temperatur und Luftfeuchtigkeit gut steuern. In einer kleinen Vorzucht-Growbox (Grow-Schrank) oder mit einem Mini-Gewächshaus bleibt die Wärme und Feuchte besser konstant. Ein Thermo-Hygrometer zeigt dir die Werte an. Ein Hygrometer ist eine sinnvolle Anschaffung. Die gibt es gut und günstig fast überall zu kaufen. Gegebenenfalls nutzt man auch eine Heizmatte, wenn der Raum kühl ist, oder einen Ventilator, wenn es zu warm/stickig wird, aber beides meistens nicht unbedingt notwendig.
Outdoor-Vorzucht
Unter Outdoor-Vorzucht versteht man im Grunde, die Samen in einem halbwegs natürlichen Umfeld vorkeimen und wachsen zu lassen – etwa auf der Fensterbank, im Garten in einem Frühbeet oder Gewächshaus, oder allgemein draußen mit einfachen Mitteln. Diese Methode erfordert oft weniger Technik, nutzt aber die Gegebenheiten der Natur bestmöglich aus:
- Fensterbank & Tageslicht: Die simpelste Variante ist, die Keimlinge am Fensterbrett großzuziehen. Wichtig ist hier ein Fenster mit viel Licht (Südfenster ideal). Die kleinen Pflanzen bekommen dann echtes Sonnenlicht, was ein breites Spektrum und gute Intensität liefert. Drehe die Töpfe alle paar Tage, damit die Sprösslinge nicht schief zur Lichtquelle hin wachsen. Wenn die Tage noch kurz sind (Vorfrühling), kann man abends zusätzlich ein paar Stunden mit einer Lampe beleuchten, damit sie insgesamt mindestens ~14–16 Stunden Licht bekommen und nicht frühzeitig blühen (bei photoperiodischen / feminisierten Sorten).
- Frühbeet & Gewächshaus: Hast du einen Garten oder Balkon, kannst du ein Mini-Gewächshaus oder Frühbeet nutzen. Das sind geschützte Behälter oder Kästen, die Sonnenwärme einfangen und die Keimlinge vor Wind und Kälte abschirmen. Man kann dafür bspw. auch einfach durchsichtige Kunststoffkisten von IKEA nehmen und dort die Töpfe reinstellen. Anfangs reicht das schon aus. Tagsüber werden sie darin schön warm und hell gehalten. Aber Achtung: An sehr sonnigen Tagen kann es darin zu heiß werden – lüfte also ausreichend. Generell solltest du, wenn du die Vorzuchttöpfe in einer Kiste hälst, 1-2 mal pro Tag lüften. Wenn du das ganze draußen machst kühlen Frühbeete Nachts stark ab, weshalb du sie ggf. ins Haus holen oder mit Vlies abdecken solltest, solange die Nächte noch kalt sind.
- Outdoor-Vorteile: Man braucht kaum spezielles Equipment. Die Sonne gibt’s kostenlos, und echte Frischluft sorgt für robuste, kompakte Pflanzen. Viele finden, dass unter natürlichem Licht gezogene Jungpflanzen ein kräftigeres Wachstum und dickere Stängel haben. Außerdem ist man nicht an Indoor-Fläche gebunden – auf der Fensterbank ist oft mehr Platz als im Grow-Schrank.
- Outdoor-Herausforderungen: Man ist Wetter und Klima ausgeliefert. Ein plötzlicher Kälteeinbruch kann die Vorzucht abbremsen oder gar die Keimlinge töten. Ebenso können heftiger Regen oder starker Wind gefährlich werden, falls die Pflänzchen ungeschützt draußen stehen. Im Haus am Fenster besteht das Problem, dass Fensterglas einen Teil des Lichts filtert – die Intensität ist geringer als draußen unter freiem Himmel. Auch hier gilt: zu wenig Licht führt zu vergeilten, schwachen Pflänzchen. Notfalls muss man also doch mit einer Lampe nachhelfen oder die Keimlinge tagsüber an einem geschützten Platz direkt ins Freie stellen.
Ob du Indoor oder Outdoor vorziehst, hängt von deinen Möglichkeiten ab. Viele Grower kombinieren beides: Sie starten Indoor auf der Fensterbank (ggf. mit etwas zusätzlichem künstlichem Licht) und stellen die Jungpflanzen an warmen Tagen schon stundenweise ins Freie, um sie abzuhärten. Wichtig ist, dass du die kleinen Pflanzen stets im Blick behältst und eingreifst, falls die Bedingungen suboptimal werden.
Schritt-für-Schritt Anleitung
Nun kommen wir zur praktischen Cannabis Vorzucht Anleitung – hier erfährst du Schritt für Schritt, wie du von der Keimung bis zum kräftigen Sämling gelangst:
- Keimung einleiten: siehe unseren Blogartikel zum Samen keimen lassen.
- Erste Pflanzgefäße vorbereiten und Keimling einsetzen: Sobald der Samen gekeimt hat (d.h. die kleine Wurzel ist 1-2 cm lang) oder das erste grüne Spitzchen aus der Erde schaut, geht es ans Einpflanzen. Bereite kleine Anzuchttöpfe vor – ein typischer Cannabis Vorzucht Topf fasst etwa 1 Liter Volumen, was am Anfang völlig reicht. Wie erwähnt, tun es auch saubere Joghurtbecher mit Löchern. Fülle sie mit Blähton (die untersten 1-2 cm) und Anzuchterde. Die Anzuchterde kannst du leicht andrücken und oben, dort wo du deinen Sämling einsetzt, solltest du einen kleinen Gießring vorsehen. Das heisst, der Sämling sollte ich einer kleine Mulde stehen, sodass du beim Gießen immer ein bisschen Wasser in die Mulde kippen kannst. Damit sorgst du dafür, dass an den Wurzeln, die anfangs noch sehr klein sind, möglichst viel Wasser ankommt. Wenn du die Papiermethode zum keimen genutzt hast, nimm den gekeimten Samen vorsichtig mit einer Pinzette und setze ihn behutsam etwa 1 cm tief in die Erde. Die kleine Wurzel sollte nach unten zeigen. Bedecke das Löchlein sanft mit Erde – nicht festdrücken. Wenn du direkt im Kokostöpfchen gekeimt hast, entfällt dieses Umpflanzen; dann achte einfach darauf, dass das Medium weiterhin feucht bleibt.
- Optimale Bedingungen sicherstellen: Jetzt benötigen die Keimlinge Licht und das richtige Klima. Stelle die frisch bepflanzten Töpfe an einen hellen Ort. Indoor also unter deine Cannabis Vorzucht Lampe (z.B. LED an, ca. 18 Stunden täglich). Outdoor stellst du sie ans Fenster oder ins Gewächshaus, wo sie viel Licht bekommen. Halte die Temperatur weiterhin im Idealbereich (~22°C). Wenn du eine durchsichtige Haube verwendest, lüfte einmal am Tag kurz, damit es nicht zu feucht wird. Nach wenigen Tagen strecken sich die Keimlinge aus der Erde und entfalten die ersten kleinen runden Keimblätter (Kotyledonen). Jetzt ist es wichtig, dass stets genügend Licht vorhanden ist: Die Beleuchtung sollte nah genug dran sein, dass die Stängel kurz und kräftig bleiben. Falls die Sämlinge sich zu sehr recken und einen dünnen Stiel bilden, braucht es mehr Licht. Gleichzeitig darf eine Lampe nicht so nah sein, dass die zarten Spitzen austrocknen oder verbrennen – taste dich im Zweifel mit dem Abstand heran.
- Sämlingspflege in den ersten zwei Wochen: In der Vorzucht-Phase wachsen die Cannabis-Keimlinge recht schnell zu kleinen Pflänzchen heran. Deine Aufgabe ist hauptsächlich: für stabile Bedingungen sorgen und beobachten. Prüfe täglich die Feuchtigkeit der Erde. Die oberste Schicht darf ruhig zwischendurch leicht antrocknen, aber darunter sollte es immer noch etwas feucht sein. Gieße am besten in kleinen Mengen rund um den Stängel, statt zu viel Wasser auf einmal zu geben. Staunässe unbedingt vermeiden! Dünger ist in den ersten 1–2 Wochen meist nicht nötig, da entweder die Anzuchterde genügend Nährstoffe enthält oder der Keimling noch von den Samenreserven zehrt. Zu frühes Düngen kann mehr schaden als nützen (Ausnahme: Bei komplett nährstofffreien Medien wie reinem Kokos oder Steinwolle könnte nach ~10 Tagen eine sehr milde Düngergabe sinnvoll sein). Achte auch auf die Entwicklung der Blätter: Die ersten richtigen Cannabis-Blätter nach den Keimblättern sind gezackt. Wenn diese gelb werden oder verkümmern, stimmt etwas nicht – häufig liegt es an Überwässerung, Nährstoffmangel oder falschem pH-Wert. Ansonsten brauchen die Babys vor allem Ruhe, Licht und Liebe. Ein sanfter Ventilator, wie erwähnt, kann helfen, die Stängel zu stärken. Außerdem solltest du die Töpfe nicht zu dicht beieinander stellen, damit jede Pflanze genug Licht und Luft bekommt. Falls mehrere Keimlinge in einem Topf gesät wurden (kommt manchmal vor), solltest du sie nun vereinzeln, damit sie sich nicht gegenseitig die Nährstoffe wegnehmen und die Wurzeln sich nicht ineinander verwickeln.
- Übergang ins nächste Stadium – Umtopfen oder Auspflanzen: Nach etwa 2 bis 4 Wochen in der Vorzucht sind deine Pflänzchen bereit für den nächsten Schritt, die Wachstumsphase. Sie haben nun meist mehrere Blattpaare und ein kräftigeres Wurzelwerk entwickelt. Jetzt stellt sich die Frage: Wohin damit? Wenn du indoor weiterzüchtest, ist es Zeit zum Umtopfen in einen größeren Topf (15-20l Topf). Warte nicht zu lange, denn wenn die Wurzeln unten aus den Anzuchttöpfen herauswachsen, wird es höchste Zeit. Zum Umtopfen die Erde im kleinen Topf leicht anfeuchten, den Ballen vorsichtig lösen und in den neuen Topf mit vorgelockerter Erde setzen. Dabei den Stängel nicht zu tief eingraben; die Keimblätter können aber ruhig knapp über der neuen Erdoberfläche sein – so wird ein länglicher Stängel gleich mit stabilisiert. Drücke die Erde leicht an und gieße an. Soll die Pflanze hingegen nach draußen, gilt es, den richtigen Zeitpunkt abzupassen. Üblicherweise pflanzt man erst nach den letzten Nachtfrösten aus (in unseren Breiten meist ab Mitte Mai). Die Jungpflanzen sollten zuvor etwas „abgehärtet“ werden: Stelle sie an warmen Tagen stundenweise ins Freie in den Schatten/Halbschatten und hole sie nachts wieder rein. So gewöhnen sie sich an Sonne, Wind und Temperaturwechsel. Nach etwa einer Woche sind sie robust genug, um ganz draußen zu bleiben. Pflanze sie dann an ihren endgültigen Standort (Gartenbeet oder großer Topf). Achtung beim Umsetzen: Der Wurzelballen sollte möglichst nicht auseinanderfallen. Am besten in der Abenddämmerung oder an einem bedeckten Tag umpflanzen, damit die Sonne die frisch gesetzten Pflanzen nicht sofort stresst.
Tipps & Tricks
Zum Abschluss noch ein paar praktische Tipps, die dir helfen, typische Stolpersteine in der Vorzucht zu vermeiden und das Beste aus deinen Keimlingen herauszuholen:
- Kreative Anzuchttöpfe: Du musst nicht viel Geld für teures Equipment ausgeben. Klar gibt es im Handel spezielle Cannabis Vorzucht Sets zu kaufen – mit Mini-Gewächshaus, Anzuchterde und Töpfen –, aber es geht auch anders: Behälter aus dem Haushalt lassen sich recyceln. Neben Joghurtbechern funktionieren z.B. auch Eierkartons (für sehr kurze Vorzucht), Pappbecher oder abgeschnittene Milchtüten als Töpfe. Wichtig ist immer, dass du Drainagelöcher rein machst, damit überschüssiges Wasser abfließen kann.
- Die richtige Erde mischen: Wenn du keine spezielle Anzuchterde hast, kannst du normale Blumenerde mit etwas Perlite oder Sand mischen, um sie durchlässiger und weniger nährstoffreich zu machen. So verhinderst du Überdüngung der Sämlinge. Langzeitdünger-Granulat in der Erde ist für die Vorzucht keine gute Idee, es gibt zu viel Nährstoffe auf einmal ab.
- Lichtanpassung: Beobachte deine Keimlinge: Strecken sie sich sehr, brauchen sie mehr Licht. Bleiben sie extrem kompakt und zeigen helle Blattspitzen, könnte die Lampe zu nah sein. Passe den Abstand oder die Beleuchtungsdauer an. Faustregel: Lieber am Anfang etwas mehr Distanz und dann schrittweise näher rücken, als die zarten Sämlinge zu „vergrillen“.
- Luftfeuchtigkeit & Schimmel: Gerade mit hoher Luftfeuchte und warmen Temperaturen schaffst du nicht nur ein Pflänzchen-Paradies, sondern leider auch ideale Bedingungen für Schimmel. Achte daher auf Hygiene: Verwende bei der Papiertuch-Methode am besten abgekochtes Wasser und tausche das Tuch aus, falls es muffig wird. In der Erde hilft eine dünne Schicht aus feinem Sand an der Oberfläche, um Schimmel vorzubeugen (da die Oberfläche dann schneller abtrocknet). Und wie schon gesagt: lüften, lüften, lüften – frische Luft ist der Feind von Schimmel.
- Keine Eile mit Dünger: Anfänger machen oft den Fehler, ihre Babies zu früh „füttern“ zu wollen. Warte wirklich ab, bis die Pflanzen Nährstoffmangel zeigen (z.B. indem unterste Blätter leicht vergilben) oder das Wachstum nachlässt, bevor du düngst. In guter Anzuchterde ist für die ersten 2–3 Wochen genug Nahrung. Ein Zuviel an Dünger in dieser Phase führt leicht zu verbrannten Wurzeln oder Wachstumsstopp.
- Perfektes Timing: „Wann soll ich mit der Vorzucht beginnen?“ Diese Frage taucht häufig auf. Bei Indoor-Grows kannst du theoretisch jederzeit starten. Für Outdoor richtet es sich nach dem Klima: Viele beginnen etwa 4 Wochen vor dem geplanten Auspflanzen. Beispiel: Wenn Mitte Mai ausgepflanzt werden soll, startest du Mitte April mit der Keimung. So verhinderst du, dass die Pflanzen zu groß werden, bevor sie nach draußen können.
- Autoflower vs. photoperiodische Sorten: Autoflowering-Sorten (automatisch blühende Cannabis-Pflanzen) haben einen festen Lebenszyklus und blühen nach wenigen Wochen von selbst. Bei ihnen sollte die Vorzucht nicht zu lang dauern. Viele Grower setzen Autoflower-Sämlinge nach ein bis maximal zwei Wochen direkt in den Endtopf, da jede Verzögerung das Höhenwachstum und damit den Ertrag schmälern kann. Photoperiodische Sorten (meist feminisiert) kann man dagegen länger in der Vorzucht halten, da sie erst blühen, wenn sich die Lichtzeiten ändern (12 Stunden Dunkelphase bei Indoor bzw. ab Spätsommer Outdoor). Dennoch gilt: Ewig sollte keine Pflanze im Mini-Topf bleiben – das Wachstum stagniert sonst.
- Häufige Anfängerfehler vermeiden: Zum Schluss sei noch vor klassischen Fehlern gewarnt: Dazu gehören vor allem Überwässerung (führt zu schlaffen, kränklichen Keimlingen), zu wenig Licht (führt zu instabilen, dünnen Pflänzchen) und Ungeduld (im Halbstundentakt nachschauen oder am Samen herumfummeln stört mehr als es nützt). Lass der Natur ihren Lauf, aber schau einmal am Tag gründlich hin – so entgeht dir nichts, und die Pflanzen können trotzdem in Ruhe wachsen.
Was passiert nach der Vorzucht?
Wenn die Vorzucht erfolgreich war, hast du nun mehrere gesunde kleine Cannabispflanzen. Wie geht es weiter? Nach der Keimlings- und Vorzuchtphase treten die Pflanzen in die eigentliche Wachstumsphase ein. Das bedeutet vor allem: mehr Wurzelraum, mehr Nährstoffe und (bei Photoperioden) weiterhin lange Lichtphasen. Hier einige Punkte, worauf du beim Übergang achten solltest:
- Größere Töpfe und frische Erde: Sobald die Wurzeln den kleinen Topf komplett durchwurzelt haben, brauchen sie mehr Platz. Pflanze sie in geeignete Pflanzgefäße um (Indoor oft 6–12 Liter Endtopf, Outdoor gehen auch direkt in den Boden oder sehr große Kübel). Verwende gute Erde – für die Wachstumsphase darf es nun ruhig eine nährstoffreichere Mischung oder ein vorgedüngtes Substrat sein, damit die jungen Pflanzen kräftig zulegen können.
- Nährstoffversorgung: Ab der Wachstumsphase steigt der Hunger der Pflanzen. Etwa ab Woche 3–4 (je nach Topfgröße in der Vorzucht) solltest du in Erwägung ziehen, mit einem Wachstumsdünger (hoher Stickstoffanteil) in niedriger Dosierung zu beginnen, falls die Erde nicht vorgedüngt ist. Fange sachte an und steigere nur bei Bedarf. Die neuen Blätter sollen schön grün und vital bleiben – das ist ein guter Indikator, ob Nährstoffe fehlen.
- Lichtphase beibehalten: In der Veg-Phase (Wachstum) brauchen photoperiodische Cannabispflanzen weiterhin mindestens 16–18 Stunden Licht pro Tag, damit sie nicht in Blüte gehen. Indoor lässt du die Lampen einfach auf diesem Zyklus. Outdoor übernimmt die Natur das Timing – wenn du z.B. im späten Frühling draußen weitergrowst, werden die Tage länger und die Pflanze bleibt im Wachstum. Achte aber darauf: Falls du sehr früh vorgezogen hast und die Pflanzen schon groß sind, während draußen noch kurze Tage herrschen (unter ~14h Licht), könnten sie vorzeitig blühen. Dann lieber noch drinnen behalten oder mit Kunstlicht die Tage verlängern, bis es draußen lange genug hell ist.
- Akklimatisierung: Pflanzen, die von drinnen nach draußen wandern, müssen sich an UV-Licht und Wetter gewöhnen. Selbst wenn sie am Fenster Licht bekamen, ist direktes Sonnenlicht intensiver. Schütze die jungen Pflanzen in den ersten Tagen draußen vor extremer Sonne und Wind (z.B. halbschattiger Platz) und steigere die Sonnenstunden allmählich. Nach der Vorzucht sind die Stängel zwar schon etwas stabiler, aber ein heftiger Windstoß kann sie immer noch knicken – daher bei Bedarf stützen oder an einen geschützten Ort stellen, bis sie richtig verwurzelt sind.
Die gute Nachricht: Hast du die Vorzucht gemeistert, bist du über den heikelsten Punkt hinweg. Ab jetzt wachsen deine Cannabis-Pflanzen deutlich robuster und verzeihen auch mal kleine Fehler eher als im Keimlingsstadium. Natürlich musst du weiterhin für gutes Licht, Wasser und Nährstoffe sorgen – doch mit den kräftigen Jungpflanzen aus deiner Vorzucht hast du eine exzellente Grundlage für die kommende Vegetations- und Blütephase gelegt.
Fazit
Die Cannabis Vorzucht mag zwar etwas mehr Aufwand bedeuten, aber sie lohnt sich in den meisten Fällen. Gesunde, kräftige Jungpflanzen sind die Basis für einen erfolgreichen Grow – sei es auf dem Balkon, im Garten oder im Indoor-Growroom. Wir haben gesehen, dass sowohl die Indoor- als auch die Outdoor-Vorzucht ihre Vorzüge haben und mit der richtigen Herangehensweise tolle Ergebnisse liefern. Entscheidend sind stets die grundlegenden Parameter: Wärme, Licht, Feuchtigkeit und ein geeignetes Medium. Wenn du diese im Griff hast und ein Auge auf deine Keimlinge wirfst, wirst du mit vitalen Pflänzchen belohnt, die bereit sind, in die Wachstumsphase durchzustarten.
Experimentiere ruhig mit verschiedenen Techniken – ob du nun Steinwolle verwendest, Jiffys einsetzt oder direkt in Erde säst, finde heraus, was für dich am besten funktioniert. Die Vorzucht ist auch für Anfänger ein spannender Einstieg in den Cannabisanbau, bei dem man täglich Fortschritte sieht. Mit den hier vorgestellten Tipps und dem gewonnenen Verständnis für die Bedürfnisse deiner Pflanzen bist du gut gerüstet, um aus winzigen Samen stolze Hanfpflanzen heranzuziehen. Viel Erfolg und happy growing!